40 Jahre Myozentrik!


Obwohl die Myozentrik für viele den neuen Weg bei der physiolog-ischen Bisszuordnung darstellt, bei dem keine Manipulation von außen zu erfolgen braucht und bei der man eine optimalen Muskel-funktion und Harmonie zur Körperhaltung erreicht, gibt es das Grundkonzept schon lange. 1983 hatte ich Dr. Robert Jankelson in Atlanta kennen gelernt, und er wurde in der Folge zu meinem „myo-zentrischen Mentor“. Im Sommer 2005 haben wir ihn wieder besucht, er lebt jetzt in Chelan, Washington im Nordwesten der USA. Unter anderem wurde auch ein Interview aufgezeichnet, in dem Dr. Jankelson die Quintessenz seiner 40-jährigen Erfahrung mit der Be-handlung der CMD und mit der Myozentrik preisgibt. Diese Aufzeich-nungen sollen in eine neue DVD über die Myozentrik inkorporiert werden, an der im Moment gearbeitet wird.    Obwohl noch immer auf vielen Kursen und Vorträgen aktiv, hat sich Dr. Jankelson für seinen Austrag ein neues Steckenpferd auserkoren: Den Weinbau.


Gegen den Rat seiner Verwandten erwarb er einen Berghang am Lake Chelan und begann dort im großen Stil Wein anzubauen. Bei den weißen Weinen, unter anderem Riesling und Gewürztraminer, gab es bereits in den letzten Jahren die ersten Erträge, und heuer wurden zum ersten Mal auch rote Sorten geerntet. Zentrum des Weingutes ist ein Bauwerk im toskanischen Stil, welches von ihm selbst geplant wurde. Die Toskana war schon immer seine geheime Liebe, und er sagt selbst: „Dies ist nicht wie Disneyworld, hier ist alles echt und wirklich aus der Toskana.“    

Er ist stolz auf seinen Erfolg, denn seine Anstrengungen haben das ganze Chelan Valley verändert, und doch leuchten seine Augen noch immer auf, wenn man ihn in eine Diskussion über die CMD verwickelt. Er hat nichts von seiner Begeisterung für seinen Beruf verloren, und ist nach wie vor äußerst belesen, auch in der modernen Fachliteratur.


Trotz all der neuen Erkenntnisse mussten, wie er betont, die physiologischen Grundlagen der myozentrischen Techniken nie korrigiert werden. Eine myozentrische Biss- registrierung würde heute in den meisten Fällen zu exakt dem gleichen Resultat führen, wie dies vor 40 Jahren der Fall gewesen wäre, und die Patienten kommen damit heute ebenso gut klar, wie die Patienten vor 40 Jahren. In Deutschland fand 1986 der erste myozentrische Kurs im ITMR statt, und zehn Jahre lang hielt eine unglaubliche „Sturm und Drangzeit“ an, während der wir ein Dutzend Mal nach Seattle flogen, um Dr. Jankelson und seine Technikerin Toyoko bei ihrer wundersamen Arbeit zu beobachten. Einerseits war alles so anders, anderseits aber auch so einfach, die Mittel manchmal fast primitiv, und die Ergebnisse dennoch so überzeugend. Die neue Phase im ITMR ist nun ein Gesamtkonzept, in das okklusale Faktoren, welche auch durch die Kauebene und die Form und Anordnung der Zahn-bögen mitbestimmt werden, ebenso einfließen, wie mannigfaltige Faktoren aus der Haltung und aus der Psyche. Die konstruktive Arbeit mit der Kauebene, der korrekten Ausrichtung der Kauflächen bei der gezielten Arbeit mit den okklusalen Kompensationskurven war für uns das „missing link“, obwohl es nie wirklich gefehlt hatte, denn die Jankelsons hatten diese Faktoren schon immer aktiv in ihre Arbeit mit einbezogen. Allein bei uns war die Arbeit mit dem primitiven Terminus Okkludator einfach nicht vorstellbar, so dass die Myozentrik kompromittiert wurde, um sie an Gesichtsbögen und adjustierbare Artikulatoren anzupassen. Diese Kompromisse sind kontraproduktiv und nicht mehr nötig, denn es existiert seit Jahren ein geschlossenes System, welches im ITMR heute auch von A bis Z gelehrt wird.


Das Jahr 2007 war auch für uns ein Jubiläum: 20 Jahre systematische Myozentrik-Fortbildung im ITMR!


Rainer Schöttl, D.D.S.(USA)